Christian Redl

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Goldbek Records / Indigo

Album: Sehnsucht (VÖ: 06.06.2014)

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Der Mann hat gelebt, gesoffen, gefroren, gehungert, gefressen, geschrien, geliebt, gehasst – der Mann hat gelebt. Er wurde gefeiert, verrissen, verachtet, bewundert, hat gewonnen, verloren, gewonnen und wieder verloren, ist verzweifelt, versackt in Schwärze und Wut, hat gelacht und gebrüllt und das Altern verflucht. Und sich gesehnt nach den Vögeln am Himmel, den schneebedeckten Landschaften und stillen Gärten, nach Brot, Kuchen und rauchigem Speck und dunklen Augen, die ihn ansehen, wie ihn noch kein Mensch je ansah … Der Mann hat gelebt, und fast hat er seine Träume vergessen. Da finden ihn die zwei Augen, plötzlich aufgeschlagen und klar. Und mit ihnen kehren die Träume zurück, als hätten sie sich ängstlich im Finstern versteckt und nur auf diesen Moment gewartet. Und plötzlich weiß er, was war, begreift, was geschieht, und mit klopfendem Herzen setzt er sich hin und singt. Es sind die schönsten Lieder, die ihm in den Sinn kommen, frei sind sie, leicht, gerade und tief, und ihre Melodien könnten nicht anders sein. Lieder an zwei dunkle Augen, in denen etwas Unfassbares leuchtet … Und er lacht. Aus ganzem Herzen.
Ich habe Christian Redl das erste Mal 1985 auf der Bühne des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg gesehen. Der kantige Kopf, die rauchige Stimme und eine Kraft auf der Bühne, die ans Gewalttätige grenzte. Ich war tief beeindruckt. Wenig später spielten wir zusammen in Peter Zadeks legendärer „Lulu“ Inszenierung. Wir wurden Freunde und sind es geblieben. Immer wieder war ich Zeuge seines Kampfes gegen die Nacht, die er in sich trug und die ihn nicht losließ. Immer wieder hat er versucht, seine Dämonen im Spiel mit Gedichten und Liedern zu bannen. Zeitweilig glaubte ich, er unterliegt. Und dann wurde dieser schwere Mensch auf einmal leicht, er hatte sich verliebt, hörte auf, mit sich zu hadern und ging auf das Leben los als einer, der es plötzlich verstand. Und was ihm immer noch wehtat, verwandelte er in Schatten und Licht, die einander poetisch umspielen.
Christian Redl hat eine Schallplatte mit elf Liedern aufgenommen, die verstörend und schön sind, Lieder, in denen das Blut der Seele fliesst: Sehnsucht.
- Ulrich Tukur -

Christian Redl, am 20. April 1948 in Schleswig geboren, besuchte die Schauspielschule in Bochum und erhielt seine ersten Engagements an Bühnen in Wuppertal, Frankfurt, Bremen. Von 1980 bis 1993 zählte Christian Redl zum Ensemble des Schauspielhauses Hamburg, wo er Hauptrollen in zahlreichen Inszenierungen von Claus Peymann, Luc Bondy, Wilfried Minks und Peter Zadek spielte. Es folgten Engagements an den Hamburger Kammerspielen und dem St. Pauli Theater Hamburg. 1987 markierte der Kinofilm Sierra Leone den Beginn seiner TV- und Leinwand-Karriere. 1991 wurde Christian Redl für seine Hauptrolle in Bernd Schadewalds Fernsehfilm Hammermörder mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Zahlreiche weitere Kino- und Fernsehfilme folgten. Unter anderem: Das Trio (Regie: Hermine Hundtgeburt), Leah (Regie: Ivan Fila), Tattoo (Regie: Robert Schendtke), Krabat (Regie: Marco Kreuzpainter), Der Rosenmörder (Regie: Matti Geschonneck), Späte Rache (Regie: Matti Geschonneck), Nachtschicht-Vatertag (Regie: Lars Becker), Als der Fremde kam (Regie: Andreas Kleinert), Tod in der Eifel (Regie: Johannes Grieser). Für Marie Brand und die offene Rechnung (Regie: Florian Kern) erhielt Christian Redl 2012 von der Deutschen Akademie für Fernsehen den Preis als Bester Schauspieler. Seit 2006 ist Christian Redl zudem regelmäßig als Kommissar Krüger in den Spreewald Krimis zu sehen. Neben seinen Arbeiten für Theater und Film hat Christian Redl auch eine Reihe von musikalischen Programmen produziert. So hat er 2003 etwa Gedichte und Balladen von Francois Villon bearbeitet und eingespielt. 2005 erscheint Das wilde Herz, sein erstes Album mit eigenen Liedern. Seit 2012 ist er gemeinsam mit dem Hamburger Musiker Vlatko Kucan mit dem musikalischen Baudelaire-Abend Die Blumen des Bösen auf Tour. Christian Redl lebt in Hamburg.