Lebo



Sister Gwen

(brillJant sounds / Believe Digital)


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Seien Sie gewarnt und zweifeln Sie nicht gleich an den nun folgenden Worten! Aber wer ein paar Zeilen über Lebo Masemola zu Papier bringen will und die Sängerin dann auch vorher noch getroffen hat, kommt um Worte wie „umwerfend“ ausnahmsweise einmal nicht herum. Und damit ließe sich im Falle der gebürtigen Südafrikanerin mit Wahlheimat Hamburg ziemlich viel beschreiben. Ihre Stimme. Ihre Songs. Ihr Lachen, ihr Auftreten und am Ende sogar noch ihre Frisur.

Seit gut 15 Jahren lebt Lebo Masemola nun in Hamburg, gleich nach der Schule hat sie ihre alte Heimat verlassen und weiß inzwischen Erstaunliches über die neue zu berichten. Sich ernsthaft als Sängerin zu versuchen, das hat sie nämlich erst hier beschlossen. Denn ursprünglich hatte sie an eine Karriere als Medizinerin gedacht.„“ Erst hier in Hamburg fand ich  Zeit über mich nachzudenken und meine schon immer vorhandene liebe für die Musik wieder in meinen Lebensmittelpunkt zu stellen“. Also fing sie an zu singen und wird jetzt, nach ungezählten Auftritten und Erfahrungen , so zu sagen ihr erstes Baby zur Welt bringen. Es heißt „Sister Gwen“ und ist eine EP mit sechs Titeln, die ans Eingemachte gehen und bei älteren Semestern süße Erinnerungen wecken dürften, sich aber trotzdem niemals irgendeiner Retro-Mode annähern. Lebos Afro Soul besitzt internationalen Zuschnitt, verrät aber auch ihre Herkunft dann und wann. Manche ihrer zumeist mächtigen und stets zwingenden Grooves gemahnen an die Werke der frühen Temptations, keiner ihrer Songs aber ist von Sounds und Gags und Gimmicks überfrachtet, wie das heute im R’n’B so gern gemacht wird. „Wenn ein Hörer keine Chance mehr hat“, sagt Lebo, „in der Musik noch Raum für eigene Gedanken und Bilder zu finden, dann funktioniert diese Musik für mich einfach nicht“.

Ihr liebster Platz, fast hatte man es geahnt, ist übrigens die Bühne. Und selbst, wenn sie dort gelegentlich vom Englischen in ihre Muttersprache Pedi wechselt, versteht ihr Publikum sie hierzulande noch. „Nicht meine Worte natürlich“, sagt Lebo, „aber Musik ist die einzige Sprache dieser Erde, die immer und überall verstanden wird“
Lebos Titelstück „Sister Gwen“ beschreibt ironisch jene Art von Nachbarin, die jeder irgendwann schon mal unter oder neben sich wohnen hatte. Eine ältere, einsam gewordene Dame, die nur ihre Neugier noch nicht verlassen hat; die alles mitbekommt, vieles kommentiert und immer dann rein zufällig ihre Tür öffnet, wenn der neue Freund der Nachbarin durchs Treppenhaus geht. „Solche Menschen“, sagt Lebo, „können zwar nervig sein, aber letzten Endes sind sie auch notwendig und auf ihre Art liebenswert.“
Ihre Songs und ihre Musik sind auf eine sehr eigenwillige Weise anders, sie sind lässig und sehr menschlich zugleich und wecken laute Neugier auf den Menschen dahinter.
Ob Hip-Hop, Soul, Jazz oder Township Jive … sie hat sich alle neuen Freiheiten erkämpft um keine dieser Klischees zu erfüllen.

Um es mal anschaulich an einem einzigen Haken aufzuhängen: Lebos „Pretty Thing“ ist mindestens so cool wie einst „Papa Was A Rolling Stone“ der Temptations, so speziell wie die schönsten Songs von Lauryn Hill und so erdverbunden wie die Songs von Rokia Traoré aus Mali oder denen des legendären Nigerianers Fela Kuti. Und es kommt noch besser: Aufs Reißbrett und das Strategie-Meeting verzichtet Lebo in ihrer DIY-Karriere so konsequent wie die Katze aufs Gehorchen. So kribbelt’s halt bei dem im Nacken, der ihre Lieder erstmals hört.